Die Zehn Stiere des Zen

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von

Tatsuhiko Yokoo

I VI
Die Suche nach dem Stier

Im Weidegrund dieser Welt
biege ich unermüdlich die hohen Halme beiseite,
auf der Suche nach dem Stier.
Namenlosen Flüssen folgend,
verirrt auf den verworrenen Pfaden ferner Gebirge,
kraftlos und lebensmüde,
kann ich den Stier nicht finden.
Ich höre nur die Grillen durch den nächtlichen Wald zirpen.

Der Heimritt auf dem Stier

Auf dem Stier sitzend, kehre ich langsam heim.
Die Stimme meiner Flöte ertönt durch den Abend.
Ich schlage mit meinen Händen den Takt zum Puls dieser Harmonie,
den nicht endenden Rhythmus dirigierend.
Wer immer diese Weise hört, schließt sich mir an.
II VII
Das Entdecken der Spuren

Am Flußufer entlang, unter den Bäumen, entdecke ich Spuren!
Sogar unter dem duftenden Grase entdecke ich seine Fährte.
Tief in fernen Gebirgen wird sie gefunden.
Diese Fährte ist so wenig zu übersehen, wie die eigene Nase,
die zum Himmel hochblickt.

Der Stier ist transzendiert

Auf dem Rücken des Stieres kehre ich heim.
Ich bin heiter. Auch der Stier kann sich ausruhen.
Der Morgen dämmert, und selig ruhend
habe ich in meinem strohgedeckten Haus
Peitsche und Strick beiseite gelegt.
III VIII
Stier und Selbst sind transzendiert

Peitsche und Strick, Stier und Hirt
sind spurlos verschwunden.
Weit, ja unendlich, der tiefblaue Himmel,
nicht mehr beschreibbar im Wort.
Kann denn der Schnee über loderndem Feuer bestehen?
Ist er dahin gelangt,
kann er dem Geist der alten Meister entsprechen.

Der Stier wird entdeckt

Ich höre das Lied der Nachtigall.
Die Sonne ist warm, der Wind ist lau, die Weidenbäume sind grün
am Fluß entlang.
Hier kann sich kein Stier verstecken!
Welcher Künstler vermag diese mächtige Stirn zu zeichnen,
und dies majestätische Gehörn?

IX
IV
Rückkehr zur Quelle

Zu viele Schritte sind getan worden,
um zur Wurzel und Quelle zurückzukehren.
Besser, man wäre von Anfang an blind und taub gewesen!
Wohnend, wo man wirklich hingehört, unbekümmert ums Äußere -
der Fluß zieht gelassen weiter,
und die Blumen sind rot.
Der Stier wird gefangen

Mit ungeheurem Kampf fange ich ihn.
Seine große Willenskraft und Macht sind unerschöpflich.
Er galoppiert zum Felsenplateau hinauf, hoch über dem Wolkendunst;
oder steht in unwegsamer Schlucht.

V
X
In der Welt

Barfuß und mit bloßer Brust mische ich mich
unter die Menschen der Welt.
Meine Kleider sind zerlumpt und staubig,
und ich bin immerzu selig.
Ich brauche keinen Zauber,
um mein Leben zu verlängern.
Nun werden vor meinen Augen die Bäume lebendig
.
Der Stier wird gezähmt

Peitsche und Strick sind notwendig,
sonst könnte er sich irgendwo auf staubiger Straße davonmachen.
Gut geschult, wird er von Natur aus sanft.
Auch ohne Zügel hört er dann auf seinen Meister.


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